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Klassische Musik und Oper von Classissima

Herbert von Karajan

Donnerstag 8. Dezember 2016


Crescendo

5. Dezember

Gewinnen Sie einen Arche-Kalender 2017 - Arche-Kalender 2017

CrescendoArche-Kalender zu verschenken, geschenkt zu bekommen oder sich selbst zum Geschenk zu machen bereichert die Bescherung. Und wenn man dann am 1. Januar des neuen Jahres das erste Blatt liest, weiß man, dass man im neuen Jahr angekommen ist. crescendo verlost von jedem Arche-Kalender 2017 je drei Stück. Von Nähe und Ferne, Musikern und ihren Karrieren, literarischen Genüssen in der Küche. Komplett durch 53 Kindergedichte aus aller Welt: Arche Wochenkalender 2017 bereichern, beflügeln, bezaubern… Arche Literatur Kalender 2017 – Von Nähe und Ferne 60 Bl. / 58 Fotos / farbig / € 22,00 / ISBN 978-3-0347-6017-1 Von der Sehnsucht nach Nähe und vom Schmerz über ihren Verlust. Vom Aufbruch in die Ferne und vom Leiden am Fernsein. Nähe und Ferne – die beiden Pole im menschlichen Miteinander, auch sie haben das Leben und Schreiben jener 53 Autorinnen und Autoren geprägt, die diesmal im neuen Arche Literatur Kalender 2017 versammelt sind. Von Martha Gellhorn zum Beispiel, die hin und her gerissen ist zwischen ihrer Ehe mit Ernest Hemingway und ihrem Beruf als Kriegsreporterin, oder Somerset Maugham, der auch nach 50 Jahren noch nicht den Verlust seiner Mutter überwunden hat. Die Ikone der Literaturkalender enthält wie immer: schöne Fotos, informative Text- und Bildlegenden, Kurzbiographien und ein umfangreiches Kalendarium. Arche Musik Kalender 2017 – Musiker und ihre Karrieren 60 Bl. / 58 Fotos u. Abb. / farbig / € 22,00 / ISBN 978-3-0347-8017-9 Umjubelt, gefeiert, umschwärmt. Glanz und Glamour. Stolz und Rausch. 53 Zeugnisse von Musikerinnen und Musikern über ihre Karrieren und ihr Leben mit dem Ruhm. Auf dem Cover: Lässig, cool, hochbegabt – der russische Pianist Vladimir Horowitz, Anfang der 1930er Jahre. Und Karajan – unerbittlich im Perfektionismus: „Wer mit mir arbeiten will, muss da einfach mithalten.“ Inzwischen ist er Kult, der Arche Musik Kalender: exzellent gedruckt, hinreißende Fotos, ausführliche Bildlegenden, Kurzbiographien und Kalendarium mit Lebensdaten. Ein Wochenkalender für alle, die Musik zum Leben brauchen. Arche Küchen Kalender 2017 – Literatur & Küche Hg. v. Sybil Gräfin Schönfeldt 60 Bl. / 76 Abb. u. Fotos / vierfarbig / € 19,90 / ISBN 978-3-0347-6117-8 The same procedure as last year, Miss Sophie? The same procedure as every year, James! … Wer kennt ihn nicht? Den 18-minütigen Jahresendzeitsketch Dinner for One. Und wer sieht nicht jeden Silvester mit demselben Vergnügen, wie Butler James der 90 jährigen Miss Sophie ein Vier-Gänge Menü serviert – der erste Gang die Mulligataway-Soup. Die und viele andere „literarische“ Gerichte serviert auch Sybil Gräfin Schönfeldt im neuen Arche Küchen Kalender 1917. Und so wie immer Woche für Woche – ob von Elizabeth George, Harper Lee oder Thomas Mann. Und wie jedes Jahr mit Tipps und Rezepten. Ein sinnenfreudiges Vergnügen für Auge, Geist & Gaumen. Arche Kinder Kalender 2017 – Mit 53 Gedichten und Bildern aus aller Welt Hg. von der Internationalen Jugendbibliothek München 60 Bl. / 53 vierfarbige Illustrationen / € 18,00 / ISBN 978-3-0347-7017-0 Alle Jahre wieder, zauberhaft wie immer … Ein Pinguin, der sehnsüchtig auf ein Schiff wartet. Ein Kind, das auf einem Baum schläft: 53 zweisprachige Gedichte aus über 30 Ländern mit den dazugehörigen Originalbildern. Von Norwegen bis China, von Indien bis Kanada. Fröhlich und komisch, rätselhaft und nachdenklich. Auch mit dem Arche Kinder Kalender 2017 können Kinder in jedem Alter wieder entdecken, wie wichtig und schön Wort, Reim und Rhythmus sind. Weitere Informationen finden Sie unter: www.arche-kalender-verlag.com Gewinnen Sie mit crescendo einen Arche-KalenderWenn Sie einen Arche-Kalender gewinnen wollen, senden Sie dafür bis zum 22.12.2016 eine E-Mail mit Ihren Kontaktdaten, dem Betreff “Kalender” sowie der Angabe ihres gewünschten Exemplars an gewinnspiel@crescendo.de. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

musik heute

10. November

Jonas Kaufmann erstmals mit fünf CDs in Klassik-Charts

Baden-Baden/Berlin (MH) – Der Tenor Jonas Kaufmann ist erstmals mit fünf Alben in den Top 20 der deutschen Klassik-Charts vertreten. Dieses Kunststück gelang zuletzt Herbert von Karajan im Frühjahr 2008 (posthum) und Anna Netrebko im [...] The post Jonas Kaufmann erstmals mit fünf CDs in Klassik-Charts appeared first on MUSIK HEUTE .




Crescendo

14. Oktober

Viele Herausforderungen für Zietzschmann - Wie die designierte Intendantin der Berliner Philharmoniker Hamburg verlässt

Andrea Zietzschmann wird den Berliner Philharmonikern als Intendantin gut tun. In der Hamburger Elbphilharmonie wird sie fehlen. Von Axel Brüggemann Was war das für ein Hickhack! Das Berliner Musiker-Konkave tagte, eine Pressekonferenz wurde anberaumt, der Wunschkandidat angerufen – aber der sagte ab. Allgemeine Verwirrung, kein Ergebnis. Dann endlich die Erlösung: Kirill Petrenko wurde zum neuen Chef der Berliner Philharmoniker bestellt und sagte: „Ja“. Aber auch: „Irgendwann.“ Damals gab es mehr Fragen als Antworten. Unter anderem, wann der Dirigent denn München nun in Richtung Spree verlassen wird. Dass Petrenko ein musikalisches Genie ist, stand immer außer Frage. Aber es wurde auch gefragt, wie der Mann, der so gerne schweigt und Interviews weitgehend als störend empfindet, das globale Marketing der Weltmarke Berliner Philharmoniker vorantreiben kann. Auch deshalb war man gespannt darauf, wer die Philharmoniker als Intendant leiten wird. Nun wurde Andrea Zietzschmann bestellt. Sie ist eine mindestens so gute Wahl wie Petrenko. Auch, wenn ihr Amtsantritt bereits jetzt einige wichtige Fragen aufwirft. Was wird aus Hamburg? Die größten Fragen stellt man sich derzeit allerdings wohl weniger in Berlin als in Hamburg: Hier hatte Zietschmann erst vor drei Jahren das NDR Orchester übernommen, das unter ihr zum „Elphilharmonie Orchester“ umbenannt wurde. Nach der Gründung des Mahler Chamber Orchestras und einer Station beim Hessischen Rundfunk versprach der NDR ihr damals eine neue, große Herausforderung. Sie sollte Thomas Hengelbrocks eher mittelmäßiges Ensemble fit machen, um als Heimatorchester der Elbphilharmonie genügend neues Publikum in das Vorzeigehaus zu locken. Eine Aufgabe, deren Erfolg bis heute nicht abschätzbar ist. Dass die Elbphilharmonie als architektonisches Wunder in der Anfangszeit erfolgreich sein wird, steht außer Frage. Aber das neue Haus hat eben keine Berliner Philharmoniker, die Musikfans aus der ganzen Welt auch dann locken, wenn der „Aha“-Effekt verebbt ist. Zietschmann konnte in Hamburg mit politischer Rückendeckung rechnen. Ein finanzielles Bekenntnis des NDR half ihr, einen fast unlösbaren Spagat zu schaffen: Die Mietkosten für das NDR-Orchester werden in der neuen Nobel-Konzerthaus-Immobilie an der Elbe von 300.000 Euro auf 800.000 Euro explodieren. Zietschmann will das mit einer neuen Preispolitik, einer engeren Publikumsbindung und neuen Publikumsschichten kompensieren. Ob dieser Plan aufgeht, wird sich erst noch zeigen. Auch, ob die Mehrkosten für das NDR-Orchester einen Sparkurs bei den anderen NDR-Ensembles nach sich ziehen werden. Die Debatte, ob es überhaupt zum Öffentlich-Rechtlichen Auftrag des NDRs gehört, sich dermaßen offensiv an der Finanzierung der Elbphilharmonie zu beteiligen, wird wohl auch erst noch geführt werden – aber dann ist Zietzschmann schon lange in Berlin. Offen, freundlich und bestimmt In Hamburg hat sie gezeigt, dass sie eine gute Musik-Managerin ist, dass sie parkettsicher verhandelt, dass sie gerade im verkrusteten, hanseatischen Klassik-Klüngel eine perfekte Strippenzieherin ist und es schafft, ihre eigenen Interessen auch gegenüber mächtigen Gegnern durchzusetzen. All das tut sie mit einer erfrischenden Offenheit und Freundlichkeit. Um so größer dürfte die Enttäuschung beim NDR gewesen sein, als die Berliner der Intendantin ein Angebot machten, das sie nicht ausschlagen konnte. Wenn Zietzschmann nun bereits 2017, nach der Eröffnung der Elbphilharmonie, nach Berlin weiterzieht, wird ihr Hamburger Nachfolger auf der einen Seite eine gemähte Wiese vorfinden, auf der anderen Seite aber auch alle bisher noch unabsehbaren Risiken vertreten müssen. In Berlin wird Zietzchmann derweil zu Recht mit offenen Armen empfangen. Ihr Vorgänger, Martin Hoffmann, kam aus dem Medienzirkus, überließ Simon Rattle die Scheinwerfer der Öffentlichkeit und bastelte im Hintergrund an einem eigenen Philharmoniker-Label, an der Digital Concerthall und fiel ansonsten nicht weiter auf. Genau das aber wird nun wohl Zietzschmanns Rolle sein. Zum einen, weil Petrenko nicht gerade für seine Medien-Offenheit bekannt ist. Zum anderen, weil auch die Berliner Philharmoniker, die musikalisch derzeit wieder gewaltig an Profil gewinnen, in den letzten Jahren viele kulturpolitische Fragen ausgesessen haben. Agenda für Berlin Weder von Rattle noch von Hoffmann bekam man Antworten auf die durchaus brisante Frage, wie sich die Berliner zu Gastspielen in den Vereinigten Arabischen Emiraten verhalten, in denen jüdische Orchestermitglieder als Vogelfrei gelten und zum Teil nicht mitreisen. Ist es für ein deutsches Orchester mit angeblichem Bewusstsein für die eigene Vergangenheit eigentlich korrekt, in Abu Dhabi Millionen abzugreifen und dafür die Vision eines humanistischen Orchesters zu verraten? Fraglich auch, ob es unter Zietzschmann mit jenem Kurs weitergehen wird, den ihr Vorgänger vorangetrieben hat. Gemeint ist das offensive Flirten mit lukrativen Geldgebern. So haben die Berliner Philharmoniker unter Hoffmann die Salzburger Osterfestspiele (eine Tradition seit Karajan) aufgegeben und sind ins finanzstärkere, aber künstlerisch unbedeutendere Baden-Baden gezogen. Seither stiehlt ihnen die Staatskapelle Dresden zu Ostern regelmäßig die Show in Salzburg. Ähnlich verkalkuliert haben sich die Berliner wohl auch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern: Das ZDF hat sie kurzerhand nicht länger verpflichtet und lässt stattdessen ebenfalls die Dresdner zu Silvester spielen. Andrea Zietzschmann wird in Hamburg viele offene Aufgaben zurücklassen und in Berlin auf ein Orchester stoßen, das bereit für einen erneuten, massiven Wandel ist – einen Wandel, der aus dem Bewusstsein des Vergangenen in die Zukunft strebt. Die neue Intendantin wird Fingerspitzengefühl beweisen müssen. Aber das hat sie in Hamburg ja bereits unter Beweis gestellt.

Crescendo

7. September

Seelenflüsterer - John Axelrod: Der Seelenflüsterer

Heute Sevilla, morgen Mailand, übermorgen Tokio – mit jedem Ort und Kulturkreis wechselt Dirigent John Axelrod auch sein Instrument: das Orchester. Im Interview verrät er, warum Psychologie die wahre Kunst ist, was Demokratie und Orchesterklang gemeinsam haben und warum jeder Dirigent die Renaissance lieben sollte. crescendo: Herr Axelrod, Sie haben zwar mit dem Real Orquesta Sinfónica de Sevilla „Ihr“ Orchester, gleichzeitig jetten Sie aber um die Welt und haben in Ihrer Karriere derart viele Orchester dirigiert, dass es vermutlich einfacher wäre, diejenigen aufzuzählen, bei denen Sie noch nicht am Pult standen. War diese berufliche Freiheit Ihr Ziel oder rutscht man eher in so eine Rolle hinein? John Axelrod: Geplant habe ich es nicht, aber ich bin dankbar dafür, dass meine Karriere bislang so verlaufen ist, wie sie verlaufen ist. Als Dirigent ist man zwar Musiker, man hat aber kein Instrument, mit dem man Wohlklang erzeugen könnte. Das Instrument des Dirigenten ist letzten Endes das Orchester. Die Kunst des Dirigierens ist also eine Kunst der zwischenmenschlichen Beziehungen. Und je mehr Orchester man dirigiert, desto mehr Kompetenz erlangt man hinsichtlich sozialer Mechanismen wie Teamwork, Management, Personenführung und Motivation. Man erwirbt also Fähigkeiten, die einem an der Musikhochschule nicht oder nicht hinreichend beigebracht werden? Viele meiner wichtigsten Lektionen, die ich gelernt habe, waren in der Tat nicht technischer, sondern psychologischer und menschlicher Natur. Zum Glück habe ich die Möglichkeit, oft zu dirigieren, vornehmlich an Orten, an denen ich die Qualität der Orchester sehr schätze. Jedes Mal lerne ich von Neuem, das volle Potenzial der Orchestermusiker zu suchen und auszuschöpfen. Das ist für mich die Hauptaufgabe des Dirigenten. Ein Dirigent als Psychologe und Motivationstrainer? Natürlich sehe ich die Musiker als Partner und nicht als Klienten (lacht)! Aber um eine Sinfonie zum Leben zu erwecken, braucht man jemanden, der alle Stimmen zusammenhält, der das Orchester dabei zu unterstützt, das gesamte Potenzial zu nutzen. Einem Dirigierstudenten, der sich auf dem Podium sehr theatralisch gab, habe ich einmal geraten, nicht wie ein Schauspieler aufzutreten. Das ist die Aufgabe der Musiker. Die Aufgabe des Dirigenten ist eher diejenige des Regisseurs. Das heißt nicht, dass man als Dirigent keinerlei Extravaganzen oder Persönlichkeiten an den Tag legen darf, sofern es dabei hilft, das beste Ergebnis zu erzielen. Dann ist es auch egal, ob man die Arme auf und ab bewegt wie Furtwängler, in die Luft springt wie Bernstein oder die Augen schließt wie Karajan. Interessant, dass Sie ausschließlich tote Dirigenten als Beispiele heranziehen, die zu Lebzeiten einem gewissen Kult um ihre Person zumindest nicht abgeneigt waren. Treten Dirigenten heutzutage bescheidener auf? Jedes Mal, wenn ein Dirigent das Podium betritt, steht er in der Verantwortung gegenüber der Partitur, der Absicht des Komponisten sowie gegenüber den Musikern und Zuhörern. Das sind vier Verantwortungsbereiche, und da ist sicherlich eine gewisse Demut und Bescheidenheit vonnöten. Ehrlich gesagt bin ich mir da nicht so sicher, ob das die meisten Dirigenten wirklich verstanden haben. Da herrscht noch immer recht viel „Alpha-Omega-Denken“. Da sind wir wieder beim Vergleich mit dem Psychologen bzw. Psychotherapeut: Dessen Hauptaufgabe ist es, die richtigen Fragen zu stellen, um bestimmte Antworten zu bekommen. Genau das sollte meiner Meinung nach ein Dirigent auch tun: Das Orchester hat sein Potenzial, seine Musikalität und die muss ich als Dirigent den Musikern entlocken. Wobei ich natürlich keine Fragen stelle, sondern mit meinen Schlagbewegungen am Pult kommuniziere. Das bedeutet für Sie, der in seiner Karriere mehr als 160 Orchester dirigiert hat, dass Sie sich rasant auf einen Klangkörper einstellen müssen. Wie kann da eine fruchtbare Kommunikation entstehen? Beide Parteien müssen genau wissen, was sie musikalisch wollen und was ihre musikalischen Vorstellungen sind. Jedes Orchester hat seinen eigenen kulturellen Hintergrund. Damit meine ich nicht nur, dass ein deutsches Orchester anders klingt als ein französisches oder italienisches, sondern auch, dass jedes Orchester seine eigene Geschichte und individuelle Zusammensetzung aus Künstlern hat. Als Dirigent muss ich mich auf all das einlassen – auch aus Respekt vor den Musikern, schließlich haben sie Jahre damit verbracht, ihre eigenen Fähigkeiten zu perfektionieren. Und sie haben womöglich das bevorstehende Konzertrepertoire öfter gespielt, als du es dirigiert hast. Man kann als Dirigent viel von einem Orchester lernen. Die Zusammenarbeit besteht also aus Geben und Nehmen … Genau! Es ist so wie beim Beatles-Song The End: „The love you take is equal to the love you make.“ Beide Seiten müssen auf eine gesunde Balance achten. Ich habe viel gelernt, indem ich Dirigenten wie Abbado, Gergiev, Eschenbach oder Chailly auf dem Podium gesehen habe: Da bestand stets ein wechselseitiges Vertrauen. Der Dirigent gibt Impulse, das Orchester gibt Impulse. Nur so entsteht auch einmalige, nicht kopierbare Interpretation. Abseits des Dirigierpults sind Sie in der Nachwuchsförderung aktiv, schreiben Artikel und Bücher, beschäftigen sich mit schönen und schöngeistigen Dingen wie Wein und Philosophie – woher nehmen Sie sich eigentlich die Zeit dazu? Ganz einfach: Ich sitze sehr viel in Flugzeugen, Zügen oder Autos. Man hat also genug Zeit, um Bücher zu schreiben und Projekte ins Leben zu rufen. Außerdem finde ich, dass ein Dirigent eine Art Renaissance-Mensch sein sollte: Wir interpretieren ja nicht nur schwarze Punkte und Striche auf einem Stück Papier, sondern müssen das große Bild entdecken und offenlegen. Und dieses Bild schließt Geschichte, Philosophie, Wissenschaft, Mathematik und Literatur mit ein. Wenn man Beethoven spielt, muss man seine Zeit, sein Denken, seinen Horizont, sein Umfeld möglichst gut kennen. Und man darf sich nicht von Traditionen blenden lassen. Letztens habe ich einen Artikel über René Jacobs und seine Mozart-Interpretation gelesen, darin ging es um eine Arie in der Zauberflöte. Jacobs hat sie sehr flott dirigiert, obwohl sie eigentlich sehr langsam gespielt wird. Seine besondere Interpretation fußt dabei auf dem Brief eines Musikers, den Jacobs bei seinen Recherchen entdeckt hat. Der Verfasser, er spielte damals unter Mozarts Dirigat, beschreibt, wie der Komponist selbst die Arie dirigiert hat, und zwar sehr schnell. Tradition kann eben auch Dinge verfälschen. Nachdem wir uns im Interview so viel über das Berufsbild des Dirigenten der Gegenwart auseinandergesetzt haben: Wie hat es sich eigentlich im Laufe der Zeit gewandelt? Parallel zur Evolution der Gesellschaft: Wenn du auf der Welt Diktatoren hast, stehen auch Diktatoren auf dem Podium. Wenn in deiner Gesellschaft Frauen und Minderheiten Führungspositionen einnehmen können, stehen auch sie auf dem Podium. So, wie sich die Staats- und Gesellschaftsformen gewandelt haben, wandelte sich auch die Funktion und die Rolle des Dirigenten – des Orchesters natürlich auch: In funktionierenden Demokratien haben auch die Orchestermusiker viel mehr Möglichkeiten, ihre Ideen einzubringen, als früher. Das macht die heutigen Orchester auch so einzigartig und leicht unterscheidbar. Im Idealfall wird der Dirigent dann dafür gebraucht, die Ideen und das Potenzial von Orchestern zu verwirklichen. Maximilian Theiss



ouverture

8. August

Beethoven: Symphonies 4 & 5; Harnoncourt (Sony)

„Der Concentus und ich haben 2013 im Theater an der Wien, im ,Heimattheater' Beethovens, den Fidelio aufgeführt“, berichtete Nikolaus Harnoncourt in einem Gespräch, das im Beiheft zu dieser CD nachzulesen ist. „Das war der Anlass, der war so ein Augen- und Ohrenöffner für uns, dass aus dem Concentus selbst der Wunsch kam, jetzt müssten wir an die Symphonien gehen. Und dann haben wir erst einmal die Erste und die Zweite Symphonie gespielt, dann die Dritte und nun die Vierte und Fünfte. Wir tasten uns also langsam heran und hoffen dann, den gesamten Zyklus in Graz spielen zu können.“  Diese Hoffnung ging leider nicht in Erfüllung; die Kraft hat dafür nicht mehr ausgereicht. Im Dezember 2015, einen Tag vor seinem 86. Geburts- tag, verkündete der Österreicher, der mit vollem Namen Johannes Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt heißt, den Rücktritt vom Dirigentenpult. Am 5. März 2016 ist er dann gestorben.  Der Musiker, der seine Karriere 1952 als Cellist ausgerechnet bei den Wiener Philharmonikern unter Herbert von Karajan begann, war unermüdlich auf der Suche nach der musikalischen Wahrheit, dem „richtigen“ Klang. So fand er sich bald mit Musikerkollegen im Concentus Musicus Wien zusammen, um in Vergessenheit geratene historische Spieltechniken und verloren gegangenes rhetorisches Verständnis wiederzubeleben. Obwohl er sich lange dagegen gesträubt hatte, begann Harnoncourt in den 70er Jahren, auch als Dirigent zu wirken. Er arbeitete mit renommierten Orchestern, und er erarbeitete mit diversen Ensembles eine Vielzahl von Opern. Gern gab Harnoncourt sein Wissen an die jüngere Generation weiter. So prägte er eine ganze Generation von Musikern und Musikfreunden. Die Styriarte in Graz ist schließlich „sein“ Festival geworden.  Die Vierte und die Fünfte Symphonie von Ludwig van Beethoven sind Harnoncourts letzte CD-Aufnahme. Im Mai 2015 spielte er beide mit dem Concentus Musicus im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins ein, und zwar zum ersten Mal ausschließlich auf Instrumenten, wie sie zur Beethovenzeit genutzt worden sind. Damit erfüllte sich Harnoncourt einen lang gehegten Wunsch. Über die Vierte meint Harnoncourt: „Sie ist wahrscheinlich einfach eine Symphonie, in der Beethoven alle seine musikalischen Kenntnisse eingebracht hat. Seine Kompositionsweise ist hier sozusagen mehr in den gewohnten Bahnen und man hat das Gefühl, er folgt Poesien, sehr poetischen Gedichten. Ich glaube, gerade die Vierte bietet ungeahnt viele Assoziationen und Bilder an.“  Auch die Fünfte liest Harnoncourt neu. Es sei „wirklich grotesk, dass sie als ,die' Symphonie schlechthin gilt, weil es wahrscheinlich die einzige Nicht-Symphonie ist von allen.“ Sie beginne nicht einmal mit einem Thema – und das mit dem Schicksal, das an die Pforte klopft, möge man bitte ebenfalls nicht so ernst nehmen: „Das hat angeblich der Anton Schindler, Beethovens Sekretär, darüber nachträglich gesagt, aber der hat so viele Sachen gesagt, die er nicht verstanden hat. Man soll diesen Leuten, die um ein Genie herum sind, nicht alles aufs Wort glauben.“  Den Kern des Werkes sieht Harnoncourt im Wechsel von c-Moll nach C-Dur – und wenn sich dieser Wechsel ereignet, kommen obendrein neue Instrumente hinzu: Drei Posaunen, eine Piccoloflöte und ein Kontrafagott, so erklärt der Dirigent: „Mit Ausnahme des Kontrafagotts sind das die Instrumente der Freiluftmusik.“ Hier öffne sich eine Türe nach außen, ins Freie. Diese Lesart lässt das Ensemble konsequent hörbar werden; das klingt mitunter ungewohnt, aber es ist ohne Zweifel reizvoll. 

Crescendo

15. Juni

Der Doyen der Demut - Zum Tode des Musikjournalisten Klaus Geitel

Mit Klaus Geitel ist einer der wichtigsten Musikkritiker der Nachkriegszeit gestorben. Ein Nachruf. Von Axel Brüggemann “Wenn eena dot ist, kriste n Schreck”, heißt es. Nun ist Klaus Geitel tot, und, ja – da “kriste n Schreck!” Einer der wichtigsten Musikkritiker der Nachkriegszeit. Ein Grand Seigneur. Ein Urberliner. Er ist 92 Jahre alt geworden. Alt also. Warum also bekommt man trotzdem einen Schreck? Vielleicht, weil das Leben von Klaus Geitel so lang war, und weil es ein bisschen erschreckend ist, wie einer, der Jahrzehnte lang im Zentrum des Kulturgeschäftes stand, am Ende doch ein wenig belächelt, verdrängt und vergessen wurde, weil der Tod von Klaus Geitel uns innehalten lässt und uns daran erinnert, dass das Jetzt morgen schon wieder ein ganz anderes ist. Als ich am Anfang des Jahrtausends als relativ junger Journalist nach Berlin kam, war Klaus Geitel schon lange eine Institution: er war kein Redakteur mehr, hatte aber noch eine wöchentliche Kolumne in der „Morgenpost“. Es gab keine Opernaufführung in der Hauptstadt, in der er nicht saß – er kam auch dann, wenn längst andere berichteten. Irgendwann saßen wir Mal nebeneinander, als er mich ansprach. In seinem unverwechselbaren, süffisanten Berliner Ton. Damals ging gerade um Simon Rattle und die Diskussion um den „deutschen Klang“: „Sie mischen das janze da ja janzschön auf“, hat er gesagt, „finde ich jut.“ Und dann hat er mir das Bein getätschelt – liebevoll. Väterlich. Und geschmunzelt. Er hat mich eingeladen, Mal bei ihm vorbeizuschauen, in seinem Büro in Wilmersdorf, wo er in einer Art Schaufenster saß und seine Texte schrieb. Ein Auslaufmodell? Nein! Für mich war Klaus Geitel damals bereits ein Auslaufmodell, ein Kritiker der so genannten alten Schule, einer, der von seinen Begegnungen mit Hans Werner Henze oder mit Herbert von Karajan – mit beiden war er befreundet – redete wie über den Krieg: Musik war für ihn in dieser Zeit hauptsächlich die Erinnerungen an jene alten Tage, als er noch jung war. Aber wenn man Klaus Geitel dann wirklich zuhörte, war er jemand, der einem ziemlich schnell klargemacht hat, dass man gerade als junger Kritiker, der denkt, dass Tagesgeschehen mitzubestimmen, der begeistert von der eigenen Karriere ist, eines lernen kann: Demut. Ja, Klaus Geitel hat mich mit seinen Geschichten die Demut des Kritikers gelehrt. Gerade er, der Doyen, der regelmäßig mit Champagnerflaschen in die Redaktion kam, der sein Einstecktuch nie vergessen hatte, der die Welt durch seine goldumrandete westberliner Brille betrachtete. Er, der uns erschien wie jemand, der gerade einem Oskar-Wilde-Roman entsprungen war. Was mich als junge Kritiker an Klaus Geitel faszinierte, war seine Lebensleistung. Einer, der noch im Schützengraben gesessen hatte, der den Tod miterlebte, der geprägt war vom Krieg, in dem er seine Kamerade hat sterben sehen. Eine Zeit, die sein langes Leben im Frieden prägte. Die Welt nach dem Kriegsende war für ihn und seine Generation keine Selbstverständlichkeit. Es war jene Welt, die so lange eine unerreichbare Hoffnung war. Irgendwie glaube ich, dass Klaus Geitel nach dem überlebten Grauen einfach nur noch die Schönheit feiern wollte. Und die Kunst, die Musik, der Gesang, das Ballett – sie waren für ihn die Kosmen, in denen sich das Schöne offenbarte. Der Stellvertreter der Künstler Vielleicht wurde Klaus Geitel auch deshalb einer der größten Fans von Hans Werner Henze, und, ja, vielleicht verteidigte er auch deshalb Herbert von Karajan noch dann, als der Streit der Berliner Philharmoniker um die Klarinettistin Sabine Meyer eskalierte. Klaus Geitel suchte in der Kunst und Kultur etwas, das wir heute vielleicht nicht mehr verstehen: Bereits im Krieg war sie für ihn ein Versprechen, eine Welt, der man sich hingeben wolle, wenn man überlebte – ein Kosmos der Schönheit, der Harmonie, ein Universum der so lange verbotenen Exzentrik. Aus diesem Geist heraus hat Geitel diese Welt begleitet, er hat hemmungslos mit den Stars seiner Zeit zusammengesessen, war nicht immer kritisch, sondern verstand sich eher als Sprachrohr der Künstler, als ihr Übersetzer, als ihr Freund – als derjenige, dessen Begeisterung und Leidenschaft andere anstecken konnte. Als einer, der die Geschichten zur Musik erzählte, der Partei ergriff, der das Geschehen herunterbrechen konnte. Und genau diese Auffassung hat die Artikel, Bücher und Texte von Klaus Geitel, so behäbig und langsam sie uns heute vielleicht erscheinen, immer modern erscheinen lassen. Er war ein Freund der Künstler und hat daraus auch keinen Hehl gemacht – im Gegenteil: es erfüllte ihn mit berechtigtem Stolz! Als ich Klaus Geitel das erste Mal traf, hatten bereits andere seine Position eingenommen. Der Journalismus ging weiter, junge Redakteure kamen und kämpften um ihre eigenen Karrieren, das Geld wurde knapper, die Eitelkeiten wurden größer, die Tricks, mit denen man um Posten kämpfte, wurden hinterfotziger. Das war nicht mehr die Welt von Klaus Geitel. Er zog sich, mehr oder weniger freiwillig, in sein Wilmersdorfer Schaufenster zurück. Zeitgemäße Erinnerungen Als ich nun von seinem Tod las, war ich auch deshalb erschrocken, weil Klaus Geitel für mich irgendwie schon nicht mehr unter den Lebenden war. Er war verdrängt, abgeschrieben. Klar, da waren die verdammten Schlaganfälle. Der Körper, der nicht mehr mitmachte. Aber da war auch unsere Welt des auf Hochglanz und Krawall polierten Journalismus, die den großen alten Mann mehr oder weniger Hemmungslos abgeschoben und – ja, leider – vergessen hat. Geitels Plauder-Kolumne in der „Morgenpost“ wurde schon vor Jahren abgesetzt. Sein ausufernder, epischer Geschichten-Onkel-Ton galt nicht mehr als zeitgemäß. Aber seine Neugier, die blieb. Er ordnete seine Welt neu, holte das Außen nach innen – und konnte noch immer genießen. Er entdeckte das Internet für sich, aber die Krankheiten setzten ihm so zu, dass er nicht mehr in die Konzerte und Opern kam. Weil er nicht mehr konnte, aber vielleicht auch, weil er sich nicht anders als gestriegelt und herausgeputzt inder Öffentlichkeit zeigen wollte. So viel Eitelkeit gönnte er sich bis zum Ende. Klaus Geitel lebte in unserer Zeit immer mehr in seinen Erinnerungen. „Wenn eena dot is, kriste n Schreck. Denn denkste: Ick bin da, un der is weg.“ Als ich nun gehört habe, dass Klaus Geitel gestorben ist, habe ich viel nachgedacht. Auch über die Flüchtigkeit unseres Jobs, über die vielen unnützen Kämpfe, darüber, wie oft wir vergessen, welches Glück wir haben, all die Musik, all die Kunst erleben zu dürfen. Ich habe, glaube ich, kaum je einen Kollegen erlebt, der so exzentrisch und gleichzeitig wahrhaftig erfüllt von seiner Arbeit war und dessen Herzen so unendlich liebevoll bleib. Ränkespiele, Neid und Hinterfotzigkeit waren ihm fremd, auch in ein Welt, in der der Musikjournalismus immer unbedeutender wurde, die Rivalitätskämpfe immer hemmungsloser, in der die Spardiktate in den Redaktionen bei vielen Kollegen Egoismus und Profilierungssucht gefördert haben – er blieb der Grand Signeur, ein weicher Mensch, einer der beobachtete, und der nur einen Satz oder eine Geste brauchte, um klar zu machen, was er in Wahrheit von dieser neuen Kulturwelt hielt. Um Klaus Geitel zu trauern, bedeutet auch ein bisschen um den Anstand in unserer Branche zu trauern, um die Größe, auch wenn es einen selber hart trifft, weich zu bleiben. Vor allen Dingen aber bedeutet es, um eine Auffassung von Kultur und Musik zu trauern, die wir in unserer Zeit vielleicht zu oft vergessen: Jedes Konzert, jede Oper – egal wie gelungen oder missglückt eine Aufführung ist – war für Klaus Geitel ein Geschenk, das ihn dankbar und demütig werden ließ. Dankbar, diesen Abend erleben zu dürfen, dankbar für die Kunst, die das Elend besiegt hatte – dankbar für diese Wunderwelt, in der er leben durfte, in der er sein konnte, was er war: ein großherziger Doyen.

Herbert von Karajan
(1908 – 1989)

Herbert von Karajan (5. April 1908 - 16. Juli 1989) war ein österreichischer Dirigent. Er zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten Orchesterleitern des 20. Jahrhunderts. Karajan arbeitete mit vielen angesehenen Symphonieorchestern, wirkte an bedeutenden Opernhäusern und veröffentlichte zahlreiche Einspielungen klassischer Musik. Er arrangierte auch die Hymne der Europäischen Union.



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